10. Mai 2018

[Rezension] "Nicht weg und nicht da" von Anne Freytag

Autor:Anne Freytag
Originaltitel: Nicht weg und nicht da
Erscheinungsdatum:
19. März 2018
Preis: 16,00 € (Amazon)(Verlag)
Seiten:
480 Seiten
Verlag:
Heyne fliegt
Reihe:
Einzelband


Für dieses Buch bedanke ich mich bei *Heyne fliegt*!

Nach dem Tod ihres Bruders ist für Luise nicht mehr so, wie es mal war. Auch sie selbst hat sich verändert und hat eine Mauer zwischen sich und ihr Umfeld gebaut, aber sie kann nicht verhindern, dass Jacob total fasziniert von ihr ist und sich nicht von dieser Mauer aufhalten lässt.
Doch dann wird ihre Welt erneut erschüttert, als sie plötzlich eine E-Mail erhält - von ihrem toten Bruder. Die erste von vielen, die ihr den Abschied erleichtern sollen ...

Protagonisten
Luise hat den Tod ihres Bruders Kristoph noch nicht überwunden, es ist ja auch noch nicht lange her. Sie hat sich ein wenig von allem abgeschottet und vertraut sich eigentlich nur noch ihrer besten Freundin an, weil sie mit ihrer Mutter kaum reden kann. Mit anderen Menschen hat sie wenig Kontakt, weil viele Mitleid haben und sich kaum trauen, etwas zu sagen, aus Angst, es könnte das Falsche sein. Sie steckt ein wenig fest, weil sie im Moment nicht bereit ist, etwas zu ändern, auch weil Luise ziemlich empfindlich ist - absolut verständlich! - und vieles ihr gegen den Strich geht.
Aber eigentlich will sie nur jemanden, der sie nicht mit Samthandschuhen anfasst und trotzdem verständnisvoll ist. So wie Jacob.

Denn Jacob ist einfach ein netter Typ, und ich weiß gar nicht, was ich da noch groß hinzufügen soll. Er findet Luise auf den ersten Blick faszinierend und kriegt sie trotz ihrer verschlossenen Art nicht aus dem Kopf und will zumindest eine Chance. Er hat zwar sein eigenes Päckchen und wirkt anfangs etwas verschlossener, aber er ist aufmerksam und liebevoll.

Kristoph ist zwar zu Beginn des Buches schon verstorben, aber man bekommt trotzdem einiges von ihm zu sehen. Er leidet unter einer Bipolaren Störung, ist mal fröhlich und der beste Bruder, den man sich wünschen kann. Dann wird er plötzlich depressiv und versucht, sich selbst das Leben zu nehmen. Man sieht die Liebe zwischen den beiden Geschwistern, da er trotz seiner eigenen Sorgen daran gedacht hat, wie sie sich fühlen wird, wenn er fort ist, und ihr dabei helfen will, darüber hinwegzukommen.

Handlung und Schreibstil
Die Idee mit den E-Mails fand ich sehr süß. Sie sollen Luise dazu bringen, mit dem Tod ihres Bruders abzuschließen. Es fällt vielen Menschen schwer, mit so etwas umzugehen und auch die Konfrontation der Probleme auf diese Art ist hart, aber auf jeden Fall ist da nun eine gewisse Motivation, auch tatsächlich etwas zu unternehmen. Ich kann mir vorstellen, dass es vor allem am Anfang eine Gefühlsachterbahn auslöst, da man, zumindest einseitig, mit dieser verstorbenen Person kommuniziert und neue Dinge in Erfahrung bringt, die für ihn aber keine Bedeutung mehr haben.
Gleichzeitig geht es um Liebe und wie sehr man sich, trotz allem, trotz dem Tod noch lieben kann.
"Nicht weg und nicht da" hat mir mit seinen freundlichen und verletzlichen Charakteren ziemlich gut gefallen und ich fand die Trauerbewältigung durch Eingriffe "aus der Zwischenwelt" sehr gelungen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen